Ein AgenturCamp ist keine Selbsthilfegruppe

Barcamps sind mittlerweile ein alter Hut, haben das „nerdige“ Image abgelegt und bieten inspirierende Einblicke vor allem in technische Themen. Aber eines nur für Agenturen? Das klingt nach Selbsthilfegruppe. Ich habe mich in Düsseldorf vom Gegenteil überzeugt.

Im vergangenen Jahr ist die Idee eines AgenturCamps zum ersten Mal von Hans-Gerhard Kühn in Frankfurt realisiert worden. Nun gab es den zweiten Anlauf in Düsseldorf mit über 90 Inhaberinnen und Inhabern, Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern und leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Agenturen aller Größenordnungen. Ich hatte mich gemeinsam mit unseren Partneragenturen _NEUBLCK aus Düren und novinet aus Ingolstadt für diese „Unkonferenz“ angemeldet. Ein Gedanke war bei uns im Kopf verankert: dass es zwei Tage mit Vorträgen vieler Selbstdarsteller werden, die uns nicht wirklich voran bringen.

Diese Sorge wurde uns (und vermutlich vielen anderen) gleich zu Beginn während der Session-Planung genommen. Die vorgeschlagenen Themen drehten sich fast ausschließlich um die Organisation des Agenturalltags und um „weiche“ Faktoren wie Mitarbeiterbindung oder Agenturwachstum. Projektbezogene und technische Themen waren hingegen selten am Sessionboard zu finden – ganz und gar untypisch für ein Barcamp.

Gemeinsam mit Christian Dietz von _NEUBLCK habe ich eine Session über Agentursoftware angeboten. Mit fast zwanzig Teilnehmern haben wir unser Wissen über zwei verschiedenen Lösungen geteilt und intensiv über Sinn und Notwendigkeit eines solchen Tools diskutiert. Später konnte ich dann noch in einer Session „Agenturwachstum” meine Erfahrungen aus den letzten 16 Jahren weitergeben und zusammen mit anderen Teilnehmern Tipps und Stolpersteine aufzeigen.

Bei vielen anderen Sessions in den zwei Tagen konnte man feststellen, dass die Herausforderungen für Agenturen quer durch die Republik sehr ähnlich sind. Kalkulation, Vergütung, Nutzungsrechte, agiles Arbeiten, Recruiting, Teambuilding und circa 30 weitere Themen wurden heiß diskutiert. Und auch wenn es selten die eine Patentlösung gab, war der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen überaus fruchtbar und ein realistischer Abgleich mit der eigenen Situation möglich. Vor allem konnte das gelingen, weil alle den Konkurrenzgedanken abgelegt haben und ein sehr offener und ehrlicher Austausch geführt wurde.

Besonders inspirierend war im Übrigen die Location. Das Telefonie-Unternehmen Sipgate hatte seine Räume zur Verfügung gestellt, die für ein Barcamp schon deshalb perfekt geeignet sind, weil Sipgate zweiwöchentlich eine ähnliche Veranstaltung intern organisiert. Der Hinterhofcharme im Düsseldorfer Hafen täuscht: Hinter der Tür verbirgt sich ein ungemein gut konzipiertes Arbeitsumfeld für etwa 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die überwiegend in agilen Teams organisiert sind. Wüsste man es nicht besser, hätte man sich auch in einer Werbeagentur vermuten können.

Eine berechtigte Frage: Was bringt die Teilnahme am AgenturCamp unseren Kunden? Meine Antwort: Unmittelbar vermutlich nichts. Indirekt profitieren sie aber durch den sehr branchenfokussierten Erfahrungsaustausch, unsere neuen Kontakte zu spezialisierten Dienstleistern und letzten Endes der Erkenntnis, an welchen Stellschrauben wir intern drehen können, um unsere tägliche Arbeit noch besser zu machen.

Die Erfolgsgeschichte des AgenturCamps geht weiter – in Kürze mit je einer Auflage in Hamburg und München. Im nächsten Jahr sind wir dann auch wieder an Bord.