Schreiben und schweben: Meisterkurs an der Texterschmiede

„Wir schießen Texter in eine neue Umlaufbahn“, verspricht der Meisterkurs der Texterschmiede. Stimmt! Seit dem 9. Juni 2015 schwebe ich selig zwischen Monstern und magischen Wörtern. Wie ich dahingekommen bin? Durch mutiges Schreiben, inspirierende Dozenten und Dieter Bohlen. Lesen Sie selbst!

Essen Sie gerne Labskaus? Das ist dieser norddeutsche Brei aus Kartoffeln, Corned Beef und Roter Bete. Schmeckt lecker, sieht aber leider nicht so aus. Und genau darum ging es in der Aufgabe Nr. 2 des Meisterkurses an der Hamburger Texterschmiede: „Macht uns mit eurer Headline richtig Appetit auf Labskaus!“ fordern die Dozenten Alexander Baron und Michael Matthiass mich und acht weitere Teilnehmer auf. „Ihr habt dafür fünf Minuten!“

Puh! Aber wie lauteten noch mal die Regeln für die zwei Workshop-Tage? Seid mutig! Probiert was! Macht Fehler! Also los. „Pappsatt in pink“ kritzele ich in mein Heft – schön anzusehen (auch wichtig!), aber noch weit entfernt von Jubel und Konfetti. Meine Sitznachbarin aus Berlin hat mehr Glück. Ihre Headline „Der Star aus Dinner im Dunkeln“ begeistert die Runde mit der richtigen Portion Raffinesse und Witz. Zum Favoriten küren wir am Ende „Mit Liebe zu Brei geschlagen“ – dank des überraschenden Kontrasts von „Lieben“ und „Verhauen“. Dieser Gegensatz ist nur eines von vielen Stilmitteln, die wir in diesem Workshop kennenlernen. Durch Schreiben, Schreiben und nochmal Schreiben, durch genaues Zuhören, Hingucken und Analysieren.

HSV-Maskottchen trifft Angela Merkel

„Druckbetankung“ nennt die Texterschmiede das, was sie sonst in einer einjährigen Ausbildung mit rund 50 Texttalenten praktiziert. Im Meisterkurs gibt es daraus ein „Best of“ – allerdings nur mit behutsamen Druck und umso mehr Spiel und Spaß: Was würde Dieter Bohlen auf Facebook über den Mittagstisch beim Italiener nebenan posten? Welche Vorzüge einer Alu-Leiter betont ein rumänischer Einbrecher in seiner Amazon-Rezension? Welche unförmige Knetfigur wird das neue HSV-Maskottchen – und wie überzeugt man die Fans im HSV-Magazin von ihm?

Wir texten Headlines, Copys, Blog-Beiträge und Briefe von Angela Merkel. Wir finden USPs und identifizieren die Bedürfnisse unserer Zielgruppen.  Wir unterscheiden abstrakte Sprache (Innovationsstrategie) von sinnlicher Sprache (Kekskrümel). Wir verlieren die Angst vor Reduktion („Geht nah ran, seid präzise!“) und erfahren, dass ein Seufzen, Stirnrunzeln oder ein spontanes „Super!“ der beste Gradmesser für unsere Ideen sind. Und immer wieder lauschen wir den brillanten Analysen der zwei Dozenten, die unsere Texte innerhalb von Sekunden in ihre Einzelteile zerlegen. Ihr Anfangsversprechen („Wir finden in jedem Text etwas Gutes!“) lösen Alexander Baron und Michael Matthiass dabei konsequent ein. Wir merken schnell: Auch wenn ein Text nicht perfekt ist, kann ein einziges Wort das Sprungbrett für etwas Großes sein.

Urgeschichten der Menschheit

Zwischendurch dürfen wir durchatmen und uns inspirieren lassen: von fünf Urgeschichten der Menschheit, auf denen nicht nur der „Herr der Ringe“ (die Mission) und „Der weiße Hai“ (der Kampf gegen das Monster) basieren, sondern auch viele erfolgreiche Kampagnen. Oder vom universalen Drama in drei Akten, das nicht nur Tatort-Krimis ihre Spannung, sondern auch Pitch-Präsentationen den richtigen Kick gibt – aber auf keinen Fall den Cliffhanger vergessen!

Zum Abschluss gibt es nicht nur eine gemeinsame Gruppenaufgabe (eine Imagekampagne für die Hamburger Elbphilharmonie), sondern auch eine persönliche Empfehlung für jeden Teilnehmer – vom Trainee bis zum gestandenen Texter. Die lautet in meinem Fall: Vertrau deinen Ideen und wirf deinen Perfektionismus über Bord! Eine gute Idee, die meine Arbeit in den nächsten Tagen spürbar verändert.

Eine weitere gute Idee habe ich mir schon jetzt in meinem Kalender notiert: unbedingt das Aufbauseminar „Meisterkurs Zwei“ besuchen!